Die Sache mit der Autobahn
Kennst du das? Du gehst jeden Morgen dieselbe Runde. An derselben Ecke reagiert dein Hund immer gleich. Und irgendwann passiert etwas Erstaunliches: Nicht nur dein Hund läuft auf Autopilot – du auch.
Diese Gewohnheiten… Autobahn, Autopilot, Selbstfahrer, oder wie auch immer man dazu sagen möchte.
Die Synonyme haben schon eine ganz große Wahrheit in sich. Wir alle haben viele Gewohnheiten und Abläufe, die sehr unbewusst und täglich passieren. Viele sind gut, viele sind ausbaufähig, einige sollte man doch eher ablegen.
Unser Gehirn liebt Autobahnen. Wege, die wir tausendmal gefahren sind, kosten kaum Energie. Genau deshalb sind Gewohnheiten so unglaublich hartnäckig – bei uns genauso wie bei unseren Hunden.
Wir alle wissen, wie schwer es sein kann Gewohnheiten zu verändern und Automatismen zu unterbrechen. Das ganze spiegelt sich natürlich auch im Training unserer Hunde wider. Wenn wir mal ehrlich sind, verlangen wir auch von unseren Hunden eingebrannte Automatismen zu verändern, vergessen aber manchmal selbst, wie schwer das auch für uns ist.
Vielleicht ist es auch unser Automatismus, unser Autopilot, der immer wieder gleiche Dinge beim Hund auslöst?
Vielleicht benehmen wir uns immer gleich, lassen die Situation immer gleich ablaufen, und wundern uns dann, warum sich nichts ändert.
Am Hundeplatz, im Hundesport oder im Trick-Training wird viel reflektiert. Wie der Hund am besten lernt, was wir am besten tun um diesen Lerneffekt zu erzielen. Genau diese Reflexion fehlt aber oft im Alltag – im täglichen Leben, in welchem wir von unserem Autopiloten festgehalten werden.
Wenn etwas jeden Tag gleich passiert, die Situation jeden Tag an der gleichen Stelle schwierig wird, dann müssen wir uns überlegen, warum. Da bringt es nichts gleich an der Situation zu arbeiten – Veränderung beginnt sehr viel früher.
Vielleicht schon beim Weg aus den eigenen vier Wänden – wie schaut es da mit der Erregungslage aus? Was macht die Erwartungshaltung? Die Erwartungshaltung ist in vielen Situationen im Training sinnvoll; aber auch in vielen Situationen im Alltag doch eher hinderlich. Dabei geht es nicht nur um die Erwartungshaltung für ein Leckerli oder den Ball.
Es geht auch um die Erwartungshaltung gegenüber verschiedenen Reizen. Möglicherweise eine Erwartungshaltung auf einen auslösenden Reiz (Hund, Roller, Mensch), die den Hund bereits in eine hohe Erregungslage bringt, womit Ruhe automatisch schwieriger wird.
Schauen wir uns gemeinsam die Erwartungshaltung an und wo diese eventuell eher kontraproduktiv sein könnte. Ein „fertig-Trainieren“ ist immer so eine Sache – Das Leben mit Lebewesen erfordert immer ein gewisses Maß an neuen Automatismen, neuen Autopiloten, die wir etablieren müssen! 😉
Hundetraining trainiert immer das Mensch-Hund-Team. Einer alleine, wird es nicht lösen; der Hund alleine nicht und der Mensch alleine auch nicht.